"Das Land, das die Literatur sehr liebte"

Ein Streifzug durch die georgische Gegenwartsliteratur

Dr. Zaal Andronikashvili (Foto: Archil Kikodze)

Vortrag von
Dr. Zaal Andronikashvili

Georgien ist ein kleines Land mit ca. 4 Millionen Menschen aber mit einer alten literarischen Tradition, die bis zum 5. Jahrhundert zurückreicht. Diese Literatur wird erst mit der Frankfurter Buchmesse dem deutschen Lesepublikum in ihrer ganzen Bandbreite zugänglich.

In der Erzählung Guram Dotschanaschwilis "Der Mann der die Literatur sehr liebte" (1973) behauptet der Hauptprotagonist, jede Erzählung mache einen Menschen besser, sein Leben reicher und vershöhne ihn mit dem Tod. Wenn man die Aussage Walter Benjamins über den Erzähler auf die Literatur insgesamt ausweitet, dann geht es in jeder Literatur um das Teilen der Erfahrung. Die georgischen Gegenwartsautorinnen und -autoren haben deutschen Leserinnen und Lesern die Erfahrungen einer hochtraumatisierten Transformationsgesellschaft auf der Suche nach der neuen Ordnung, nach dem neuem Platz in der Welt und den neuen Gesellschaftsverhältnissen im geographischen Osten Europas mitzuteilen. Trotz allem bleibt eine grundsätzliche lebensbejahende Haltung auch für die georgische Gegenwartsliteratur charakteristisch. Diese Erfahrung ist gekleidet in literarische Formen, die an die Traditionen der georgischen Literatur anknüpfen, sie aber auch weiterentwickeln.

Bei "Literatur auf Rezept" in der Kur-Apotheke wird in diesem Jahr eine sehr spannende moderne Literatur mit alten Traditionen vorgestellt, die nicht nur Einblicke in die Literatur, sondern auch in die gesellschaftspolitische Entwicklung Georgiens in den vergangenen 25 Jahren gewährt.

Ein Start ins diesjährige Literaturpflaster, den man sich nicht entgehen lassen sollte.

Ort:
Kur-Apotheke Wolter, Poststraße 15 (Sparkassengebäude)

Freitag, 14. September 2018

Beginn:
19.30 Uhr

Eintritt:
5,- € / 2,- €

Dr. Zaal Andronikashvili

Dr. Zaal Andronikashvili (*1973) ist Literaturwissenschaftler und Publizist. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Zentrum für Literatur- und Kulturforschung (Berlin) und Professor an der Staatlichen Ilia-Universität Tbilissi. Er studierte Geschichte und Literaturwissenschaft in Tbilissi und Saarbrücken und promovierte 2005 in Göttingen.

Publikationen

Landna(h)me Georgien. Studien zur kulturellen Semantik (gemeinsam mit Emzar Jgerenaia und Franziska Thun-Hohenstein, 2018 im Druck).


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