Vom Krieg der Hexenclans im fernen Katalonien

Jugendbuchautorin Maite Carranza stellt Hexentrilogie in Bad Berleburger Schulen vor

Bad Berleburg. (wp) "Hallo, ich freue mich euch zu sehen." Die Begrüßungsworte hatte Maite Carranza auswendig gelernt, bevor sie in der Ludwig-zu-Sayn-Wittgenstein-Schule ihr Buch "Der Clan der Wölfin" vorstellte. Denn die gebürtige Barcelonerin spricht kein Deutsch.

Das überraschte die Schüler etwas, aber sie kamen gut zurecht. Schließlich hatten sich die sechsten und siebten Klassen der Hauptschule auf die Lesung vorbereitet. Im Deutschunterricht hatten sie den Lebenslauf der Autorin gelesen, Ausschnitte aus dem Buch geprobt und Geschichte und Kultur Kataloniens untersucht. In diesem Jahr ist die spanische Provinz Gastland auf der Frankfurter Buchmesse und damit auch beim Bad Berleburger Literaturpflasters.

In Katalonien spielt auch die Handlung des Abenteuerromans, der sich mit dem Leben der 14-jährigen Anaid beschäftigt. Das Mädchen wächst bei seiner Mutter und Großmutter auf, bis eines Tages die Mutter spurlos verschwindet. Keiner scheint ihr helfen zu wollen. Schließlich kommt Anaid einem großem Geheimnis auf die Spur: Sie und ihre Familie gehören zu einem uralten Hexenclan, der mit einer Gruppe blutdürstiger Zauberinnen in Konflikt liegt. Anaid selbst könnte die Auserwählte sein, die diesen Konflikt für immer beendet...

"Es ist ein Abenteuerroman, in den viel von der Kultur Kataloniens einfließt", erzählt Autorin Maite Carranza. Ihre Aussagen übersetzt Dr. Ann-Catherine Geuder, Lektorin des Verlages, bei dem der Roman in seiner deutschen Fassung erscheint. Häufig muss sie nachdenken, denn Carranza benutzt eine bildreiche Sprache: Wie bei einer Schwangerschaft habe sie neun Monate gebraucht, bis das Werk "geboren" war.

Die ehemalige Lehrerin wurde von alten Geschichten über Hexen beeinflusst und mischt diese geschickt mit den Problemen des Erwachsenwerdens, wie Liebe und Einsamkeit. Harry-Potter-Leser werden einige Parallelen erkennen, aber wer hier von einem Nachahmungswerk spricht, tut der Autorin unrecht. Seinen Charme zieht das Werk vor allem aus dem Ort der Handlung in den Pyrenäen. Denn nur in der Abgeschiedenheit kann sich Anaids Freundschaft zu den Tieren, vor allem Wölfen, entwickeln.

Um die Atmosphäre des Buches auch bei der Lesung zu vermitteln, hatten die Schüler der zehnten Klassen eine düstere Dekoration gebastelt: Fledermäuse und Hexenkessel zierten das Podium. Dass die Schüler gespannt zuhörten, lag vor allem daran, dass die Vorleser teilweise aus ihren Reihen stammten: Zuerst las Ronja aus der sechsten Klasse einige Absätze, dann übernahmen sechs Schüler aus der Parallelklasse und führten eine Episode in verschiedenen Rollen fast wie ein Theaterstück auf. Nur zum Schluss las eine Erwachsene, Marlen Jourdan von der Volkshochschule.

"Ich habe das Buch über die Ferien gelesen. Es ist jetzt eins meiner Lieblingsbücher, ich hab mich gefühlt, als wär ich selbst die Hauptfigur" erzählt Vorleseschülerin Ronja, die sich schon lange für Hexen interessiert. Auch ihre Klassenkameraden sind fasziniert: "Mich hat das Buch stark fasziniert, Teile davon dann auf Spanisch zu hören war mal was ganz anderes", sagt Phillip. Sein Mitschüler Christian fügt hinzu: "Das war so spannend wie Harry Potter." Dass die Hauptfigur ein Mädchen ist, stört die Jungs nicht.

Auf die Frage, wer sich das Buch nun kaufen will, gehen beinahe alle Finger nach oben. Ein positives Feedback für Autorin Carranza also, die das erste Mal vor einer Klasse ein eigenes Werk vorstellte - am selben Vormittag auch noch in der Realschule und im Gymnasium. Das Buch ist übrigens der erste Band einer in Spanien sehr erfolgreichen Trilogie. Dort hat Maite Carranza bereits über vierzig Bücher veröffentlicht.

Von Anton Kurenbach


WESTFALENPOST (10.10.2007)
WP-Foto: anku

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