Entwachsen aus Rastlosigkeit

Prof. Dr. Ralf Schnell gibt beim Literaturpflaster einen Einblick in die Literatur Sloweniens

Prof. Dr. Ralf Schnell konnte als 'Joker' für den Vortrag gewonnen werden. (Foto: Lisa Klaus)

Bad Berleburg. Unentfaltete Hoffnung – so lässt sich die slowenische Gegenwartsliteratur am besten beschreiben. So zumindest erklärte es Prof. Dr. Ralf Schnell, der mit seinem Einblick in die slowenische Literatur die Zuhörer seines Vortrages auf die folgendes Veranstaltungen des Literaturpflasters vorbereitete.

Zunächst einmal galt: Ortswechsel. Denn für gewöhnlich findet die Auftaktveranstaltung des Literaturpflasters in der Kur-Apotheke von Karsten Wolter statt. „Zwischen Pflastern und Ibuprofen“, kommentierte Organisatorin Rikarde Riedesel. Diesmal jedoch luden die Veranstalter ins Museum am Rothaarsteig. „Ein Besucher sagte, dass hier die Atmosphäre direkt mitgeliefert wird.“

Doch zu einem offiziellen Auftakt zum Literaturpflaster gehört nicht nur eine schöne Location, sondern auch ein Referent, der sich mit der Literatur und Kulturhistorie des Gastgeberlandes auskennt. Eine schwierige Angelegenheit, wenn das Gastland Slowenien ist, stellte Rikarde Riedesel. Also zog sie ihren Joker, den ehemaligen Schirmherrn des Literaturpflasters: Prof. Dr. Ralf Schnell, der nach der ersten Kontaktaufnahme sehr schnell zusagte und sich in die Literatur Slowenien einlas. „Und er hat nicht nur quergelesen, sondern sich eingehend damit beschäftigt und ein Buch nach dem anderen gelesen“, machte Riedesel deutlich. Und so kam Schnell nach fünf Jahren wieder zurück nach Berleburg zum Literaturpflaster. „Das Thema ist mir sozusagen vertraut gemacht worden. Ich habe mich monatelang damit beschäftigt und habe dabei viel über das Land und die Kultur gelernt und eine diese andere Art, zu Schreiben.“

Schnelle Entwicklung des Landes

Die slowenische Literatur, so Schnell, entwächst der rasanten Entwicklung des kleinen Landes: Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges existierte Slowenien als Teilrepublik im sozialistischen Jugoslawien. Nach der Unabhängigkeitserklärung am 25. Juni 1991 und dem Zehn-Tage-Krieg wurde Slowenien ein eigenständiger Nationalstaat und am 22. Mai 1992 eigenständiges Mitglied der UNO, 2004 kam der Beitritt zur EU und 2007 zur Nato. Nach Bewertung der Bertelsmann Stiftung ist es in seiner wirtschaftlichen Transformation und politischen Entwicklung überdurchschnittlich erfolgreich. All diese ständige Weiterentwicklung, das Rastlose und Unfertige, spiegelt sich laut Schnell in den literarischen Werken Sloweniens wider. Deutlich sei dabei unter anderem seit weniger als 30 Jahren eine beispiellose Aufgeschlossenheit der jungen Autoren. Slowenien sei damit ein einzigartiges Literaturland, das wie kaum ein anderes Land Bücher herausbringe und an Platz 2 der an der Bevölkerung gemessenen Veröffentlichungen steht. So kämen in dem kleinen Land mit knapp über 2 Millionen Einwohnern pro Jahr etwa 3500 Veröffentlichungen auf den Büchermarkt. Einige der bedeutenden und beispielhaften Autoren dieser Zeit werden auch nach Berleburg kommen, darunter Goran Vojnovic und Gasper Kralj.

Von Lisa Klaus


WESTFALENPOST (15.09.2023)
Internet: www.wp.de/staedte/wittgenstein/
Bildquelle: WP-Foto von Lisa Klaus

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